Anspielzimmer - Fachwerkstatt - über 150 Instrumente - Armin Weis

In the Mood


Stimmung - Wie macht man das?

Liebe Kundin, lieber Kunde,

das hier beschriebene Thema ist eine eigene Rubrik auf unserer Website wert. Es geht um das richtige Einstimmen und das stimmende Spielen auf Ihrem Instrument. Da jede Instrumentengruppe gewisse Eigenheiten aufweist, lesen Sie bitte zunächst die Kategorie, die für Sie am ehesten zutrifft. Viel Spaß damit.

 

 

 

 

 

 

 

Ihr Instrument: Querflöte                                              [andere Instrumente]

Es gibt eine Reihe von Abhandlungen über dieses Thema, die meistens sehr umfangreich ausfallen. Die Autoren bemühen in der Regel wissenschaftliche Grundlagen, um auch den routiniertesten Spezialisten gerecht zu werden.

Die folgenden Erklärungen sollen Ihnen helfen, auch ohne Spezialwissen ein gutes Ergebnis zu erzielen. Wir beschränken uns daher auf die Informationen, die für den Praxisgebrauch wichtig sind. Um den Text gut lesbar zu halten, sprechen wir jeweils vom Flötisten (m). Liebe Flötistinnen, bitte fühlen Sie sich auch angesprochen.


A. Die Theorie

Der Begriff Stimmung hat beim Musizieren drei verschiedene Bedeutungen:

1. Die "Grundstimmung" bezeichnet die Tonhöhe, in der Ihr Instrument erklingt. Die Querflöte ist in "C" gestimmt, genau wie das Stimmgerät, ein Klavier oder eine Piccolo. Eine Klarinette ist z. B. meistens in "Bb" gestimmt, klingt also einen Ganzton tiefer als Ihre Flöte. Jede Instrumentenart hat konstruktionsbedingt eine eigene Grundstimmung. Die Länge des Instrumentes spielt eine Rolle, ebenso z. B. der Rohrdurchmesser und die Gestaltung der Innenbohrung usw.. Lassen wir das hier als Erklärung genügen, Sie selbst können an der Grundstimmung nichts verändern.

2. Als "Einstimmen" bezeichnet man die Feinabstimmung der Flöte. Hierzu vergleicht man einen "Stimmton", den Sie selbst spielen, mit einem "Referenzton" eines anderen Instrumentes. Der Pianist gibt z. B. einen Ton an, an dem sich die Mitspieler orientieren und ihr Instrument entsprechend anpassen. Oft wird zum Vergleich auch die Mess-Anzeige eines Stimmgerätes verwendet.

Das Einstimmen ist beim Zusammenspiel unerlässlich und es geht sehr einfach. Wenn Sie darauf verzichten, klingt es wahrscheinlich anschließend nicht besonders schön. Daher gilt: Einstimmen lohnt sich immer. Wie es geht und wie Sie Ihr Instrument am besten einstimmen, erfahren Sie gleich.

3. Die Stimmung "in sich", oft auch als "Intonation" bezeichnet, meint die genaue Höhe der einzelnen Töne. Das ist der schwierigste Part überhaupt, weil ganz viele Faktoren eine Rolle spielen. Wenn Sie z. B. das Kopfstück ein wenig nach innen drehen, wird die Flöte tiefer, oder wenn Sie fester reinspielen, um die höheren Töne zu erreichen, sind Sie schnell zu hoch. Eine gute "Intonation" verlangt einiges an Übung und Erfahrung. Ein gutes Stimmgerät hilft dabei, die Abweichungen wirklich exakt zu erkennen und das eigene Ergebnis entsprechend zu verbessern.


B. Die Praxis

1. Jedes Instrument hat seine eigene Grundstimmung, das sagten wir bereits. Diese kann von der Grundstimmung des Stimmgerätes abweichen. Im Fall der Querflöte sind beide gleich und Sie brauchen nichts weiter zu beachten. Das Stimmgerät zeigt genau den Ton an, den Sie selbst auch spielen (einzige Ausnahme: Wenn Sie ein H spielen, wird ein B angezeigt, das ist die internationale Bezeichnung für diesen Ton). Tabelle:

 

Stimmung Flöte - Bild speichern unter ... und dann auf iPod oder Handy laden

 

 

2. Schauen wir uns nun das "Einstimmen" an. Weiter oben haben Sie bereits gelesen, dass wir einen "Referenzton" benötigen, an dem wir uns orientieren. In der Musikgeschichte wurden allerlei verschiedene Tonhöhen als Referenz festgelegt. So richtig einigen konnte man sich offiziell aber erst im Jahr 1939. Seither gilt als "Kammerton" der Ton a1 mit 440 Hz (Schwingungen pro Sekunde). Noch früher wurde teilweise deutlich tiefer gestimmt, heute stimmt man zum Teil aber auch höher ein (im Symphonieorchester wird z. B. auf 443 bis 445 Hz gestimmt, weil die Streichinstrumente dadurch etwas heller klingen).

Jedes Stimmgerät verfügt über eine Einstellmöglichkeit für den Kammerton (man nennt das Kalibrieren). Je nachdem, in welchem Ensemble Sie spielen, wird der bevorzugte Kammerton in der Regel bei 440, 442 oder 443 Hz liegen. Einigen Sie sich mit Ihren Mitspielern auf eine Tonhöhe oder fragen Sie den Dirigenten, welche Grundstimmung er bevorzugt. Kalibrieren Sie das Stimmgerät entsprechend, bevor Sie mit dem Stimmvorgang beginnen. Das Kalibrieren geht sehr einfach und ist die Voraussetzung, dass alles weitere gut funktioniert.

Wenn Sie alleine spielen (z. B. beim Üben), verwenden Sie am besten 442 Hz, damit sind Sie auf der sicheren Seite. Beim Zusammenspiel mit anderen ist der Wunsch des musikalischen Leiters maßgeblich, wobei man in der Regel auf die Instrumente Rücksicht nehmen wird, die nicht ohne weiteres nachgestimmt werden können (ein Klavier zu stimmen, ist ziemlich aufwändig). Wenn also ein Klavier auf 440 Hz gestimmt ist, bietet es sich an, dass alle anderen, die Bläser, Streicher, Gitarristen etc. ebenfalls auf 440 Hz einstimmen.

Sie haben nun die Höhe der Grundstimmung festgelegt und können mit dem eigentlichen Stimmvorgang beginnen. Stellen Sie das Stimmgerät vor sich auf den Tisch oder auf den Notenständer und spielen Sie einen beliebigen Ton. Das Stimmgerät erkennt automatisch, welcher es ist und zeigt Ihnen an, ob Sie zu tief oder zu hoch sind. Wir schlagen vor, dass Sie einen Ton in der Mitte der Griff-Skala nehmen, z. B. ein "g". Spielen Sie den Ton sicherheitshalber in der unteren und in der mittleren Oktave an. Wenn die Anzeige Ihres Stimmgerätes rechts vom Zentrum liegt, ziehen Sie das Kopfstück ein wenig heraus (am besten drehen Sie es dabei hin und her). Zeigt die LED oder die Nadel links vom Zentrum, schieben Sie das Kopfstück ein wenig hinein.

Oft wird verlangt, zum Einstimmen ein "c" zu spielen. Da Sie für Ihre persönliche Tonhöhe den bestmöglichen Kompromiss suchen (siehe weiter unten), raten wir davon ab. Auf einigen Instrumenten ist das "c" ein problematischer Ton - nehmen Sie ein "g", das funktioniert am besten. Ein "a" oder ein "f" sind ebenfalls geeignet. Ihr Stimmgerät erkennt jeden Ton.

Wenn alle Mitspieler ihr Instrument sauber eingestimmt haben, klingt das Zusammenspiel sofort viel angenehmer. Es ist nicht entscheidend, welches Stimmgerät verwendet wird, jeder kann mit seinem eigenen arbeiten. Alle KORG Stimmgeräte z. B. stimmen exakt gleich. (Früher hat man übrigens als Referenz eine sogenannte Stimmgabel verwendet, die hat allerdings den Nachteil, dass sie nur eine Tonhöhe kennt und nicht kalibriert werden kann. Außerdem gibt es natürlich keine optische Anzeige).

Einen wichtigen Hinweis sollten Sie noch beachten: Alle Blasinstrumente verändern ihre Grundstimmung bei unterschiedlichen Temperaturen. Wenn die Flöte kalt ist, erklingen die gespielten Töne tiefer. Spielen Sie sich und Ihr Instrument unbedingt warm, bevor Sie mit dem Stimmvorgang beginnen. Das gleiche gilt für Ihre Mitspieler. Fünf Minuten genügen, halten Sie lange Töne aus, spielen Sie Tonleitern, machen Sie einige Staccato-Übungen usw. Erst dann macht das Einstimmen wirklich Sinn.

3. Den nächsten Abschnitt widmen wir der "Intonation", also der richtigen Stimmung jedes einzelnen Tones. Weiter oben haben Sie bereits gelesen, dass eine gute "Intonation" nicht gerade mühelos zu erreichen ist.

Das Gehör der meisten Menschen ist nicht ausreichend geschult, um zu erkennen, ob die einzelnen Töne etwas zu tief oder zu hoch sind. Der Versuch vor dem Stimmgerät wird es zeigen: die Abweichung der Töne vom Idealwert ist teilweise erheblich, sofern Sie keine entsprechenden Korrekturen beim Spielen vornehmen. Beim Zusammenspiel mit anderen Bläsern (die übrigens alle mit der gleichen Schwierigkeit zu kämpfen haben) wird es selbst für geschulte Ohren schwierig, sauber zu intonieren.

Deshalb empfiehlt es sich, durch Übung und regelmäßige Selbstkontrolle mit Hilfe eines Stimmgerätes eine ordentliche Intonation zu erlernen. Ohne Stimmgerät schaffen es nur wenige sehr begabte Flötisten, die gute Stimmung dauerhaft zu beherrschen. Aber auch für diese gilt: Übung macht den Meister. Nehmen Sie sich nicht zu viel auf einmal vor, üben Sie regelmäßig mit dem Stimmgerät und bauen Sie den Part "Intonation" als festen Bestandteil in Ihr Übungsprogramm ein. Schon nach einigen Wochen werden Sie erste Erfolge bemerken.

Zunächst ein Wort zu Ihrem Instrument: es stimmt nicht von selbst, im Gegenteil. Jedes Instrument hat bautechnisch bedingt gewisse Schwachstellen, die Sie als Flötist durch Ihren Ansatz ausgleichen können. Sehr problematisch ist beispielsweise das mittlere "cis", es ist auf allen Flöten zu hoch. Aber auch andere Töne oder ganze Lagen sind gerne zu hoch oder zu tief, es liegt an Ihnen, diese zu erkennen und auszugleichen.

Kalibrieren Sie zunächst das Stimmgerät, wie weiter oben beschrieben. Wählen Sie 442 Hz, falls Sie immer alleine spielen. Falls Sie mit anderen gemeinsam musizieren, wählen Sie auch zum Üben die (ggfs. abweichende) Grundstimmung, in der Sie üblicherweise im Ensemble spielen. Und spielen Sie Ihre Flöte erst warm, bevor Sie mit den Intonationsübungen beginnen.

Spielen Sie nun ein "g" in der unteren Oktave und dann ein "g" in der mittleren Oktave. Stimmen Sie Ihre Flöte wie oben beschrieben durch Herausziehen oder Einschieben des Kopfstücks. Schon bei diesem Vorgang kann es passieren, dass nicht beide Töne exakt stimmen. In diesem Fall orientieren Sie sich am unteren Ton (In der unteren Oktave ist es etwas schwieriger, die Tonhöhe mit dem Ansatz zu korrigieren) und arbeiten Sie daran, das mittlere "g" durch leichte Veränderungen des Ansatzes stimmend zu bekommen.

Spielen Sie nun weitere Töne, lang ausgehalten, und variieren Sie jeweils solange, bis die Anzeige genau in der Mitte steht. Falls Ihnen die Technik der Tonhöhen-Korrektur mittels Ihres Ansatzes nicht vertraut ist, fragen Sie einen versierten Flötisten um Rat. (Dies ist keine Flötenschule, wir möchten Ihnen lediglich die Funktion und den Nutzen des Stimmgerätes vermitteln).

Nach einiger Zeit werden Sie mit den Eigenheiten Ihres Instrumentes vertraut sein. Durch die regelmäßige Übung mit dem Stimmgerät gewöhnt sich Ihr Gehör an die richtige Tonhöhe. Versuchen Sie schrittweise, die Töne gleich so anzuspielen, dass sie gut stimmen. Irgendwann gehen die notwendigen Korrekturen fast automatisch und es genügt, wenn Sie Ihr Stimmgerät nur noch zeitweise zur eigenen Kontrolle verwenden.

Ermutigen Sie ggfs. Ihre Mitspieler, ebenfalls Intonationsübungen zu machen. Das lohnt sich auf alle Fälle.


C. Welches Stimmgerät ist am besten geeignet?

Wir empfehlen eines der folgenden Modelle:

1. KORG CA-40

Einfaches batteriebetriebenes Stimmgerät, das über die Standard-Funktionen (Kalibrieren, Anzeige der Tonhöhe) verfügt.

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2. KORG LCA-120

Chromatisches Stimmgerät für gehobene Ansprüche. Zusätzlich zu den Standard-Anwendungen kann z. B. durch die Einstellung "Focus Tune" mit 5-fach feinerer Anzeige gestimmt werden. Die Sonder-Funktion "Volume Meter" zeigt die gespielte Lautstärke an und ist sehr hilfreich, wenn man Tonübungen macht. Dieses Gerät kann auch mit einem Netzteil betrieben werden, was bei regelmäßigem Gebrauch günstiger ist als der Einsatz von Batterien.

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D. Weitere Hinweise (FAQ´s)

Manchmal gibt es Probleme beim "Einstimmen". Einige der bekannten Schwierigkeiten schauen wir uns hier gemeinsam an:

Fall 1: Ihre Flöte ist zu tief.

Haben Sie das Stimmgerät auf 440 oder 442 Hz kalibriert und Ihr Instrument gut warm gespielt? Die Flöte ist ganz zusammengesteckt, trotzdem erreichen Sie nicht die gewünschte Tonhöhe?

Drei Möglichkeiten sind am wahrscheinlichsten:

a) Der Stimmkork an Ihrer Flöte hat sich verstellt. Falls Sie sich damit auskennen, korrigieren Sie ihn auf die richtige Position. Falls nicht, fragen Sie uns.

b) Verändern Sie Ihren Ansatz ein wenig, oder drehen Sie das Kopfstück ein wenig nach außen. Wenn das nicht hilft, bitten Sie Ihren Lehrer um weitere Erläuterungen.

c) Finden Sie heraus, ob es am Instrument liegt. Moderne Flöten sind in der Regel so konstruiert, dass Sie die 442 Hz mühelos erreichen, wenn das Kopfstück einige Millimeter ausgezogen ist. Ältere Instrumente sind teilweise tiefer gestimmt (das lässt sich leider nicht korrigieren). Auch manche "Schnäppchen" aus der Anfangszeit des asiatischen Flötenbaus sind zu tief, hier kann man ebenfalls nichts mehr machen.

Fall 2: Ihre Flöte ist zu hoch, obwohl Sie das Kopfstück sehr weit herausgezogen haben.

Das kommt ganz selten vor, der lange Zapfen am Kopfstück lässt Ihnen in der Regel genügend Spielraum, die gewünschte Grundstimmung durch Ausziehen des Kopfes zu erreichen. Das gilt allerdings nur im Rahmen der heute üblichen modernen Stimmung (440 Hz oder höher. Wenn die Grundstimmung viel tiefer gewählt wurde, gibt es keinen einfachen Lösungsansatz, lesen Sie hierzu bitte Fall 3).

Prüfen Sie die folgenden Möglichkeiten:

a) Ist die Kalibrierung am Stimmgerät korrekt eingestellt?

b) Spielen Sie mit sehr viel Kraft? Verändern Sie Ihren Ansatz entsprechend, Hinweise dazu erhalten Sie von einem versierten Flötisten.

c) Finden Sie heraus, ob es am Instrument liegt. Bitten Sie einen versierten Flötenspieler um einen Vergleichstest.

Fall 3: Ihre Flöte ist zu hoch, obwohl Sie das Kopfstück sehr weit herausgezogen haben.

Sie spielen in einem Ensemble, das einen Referenzton unterhalb von 440 oder sogar 438 Hz gewählt hat? Das kommt manchmal vor, wenn Instrumente älteren Baujahres mitspielen, an denen man sich orientiert.

Sehr alte Instrumente sind nach den damaligen Anforderungen so "tief" gebaut, dass sie die heute verwendeten Stimmungen nicht erreichen können. Es gilt als äußerst schwierig oder sogar unmöglich, auf modernen Querflöten so tief zu spielen.


Am Ende der kleinen Einführung in die Welt des Stimmens angekommen, bedanken wir uns sehr herzlich für Ihr Interesse und wünschen Ihnen weiterhin viel Freude beim Musizieren.

 

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